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Warum der Match-Tiebreak völliger Schwachsinn ist

„Es ist Mitte Juni. Das bedeutet, dass die Punktspielsaison (oder auch Medenspielsaison) im Sommer in die heiße Phase geht. Aufstieg, Abstieg oder Klassenerhalt sind die brennenden Themen bei den Mannschaften. Tausende Punktspieler stellen sich aber auch in Anlehnung an einen Hit von der Kultband „Die Ärzte“ die Frage: „Warum hast du mir das angetan?“. Ja, warum nur, warum wurde uns das überhaupt angetan? Was soll dieser Unsinn überhaupt? Wer hat diesen Mist verzapft?

Ablehnung überall

Die Rede ist vom Match-Tiebreak. Mittlerweile wird nahezu deutschlandweit in allen Altersklassen im Einzel und Doppel der dritte Satz nicht mehr ausgespielt, sondern als Match-Tiebreak gespielt, wo derjenige Spieler gewinnt, der zuerst 10 Punkte mit zwei Punkten Vorsprung hat. Zwar wurde der Match-Tiebreak auf demokratischer Basis in vielen Verbänden eingeführt, aber es sieht so aus, als ob sich nur die Allerwenigsten mit dieser Spielform anfreunden können. In Schleswig-Holstein beispielsweise werden seit 2012 Punktspiele mit dem Match-Tiebreak ausgetragen. Und dennoch habe ich in den letzten Jahren nicht einen Spieler sagen hören: „Hurra, der dritte Satz wird im Match-Tiebreak gespielt. Das erhöht den Reiz des Spiels.“ Bei jedem Punktspiel wird über die Einführung geschimpft. Vielleicht ist die Lage in den älteren Spielklassen anders, aber bei der jüngeren Generation stößt der Match-Tiebreak auf sehr große Ablehnung.

Der Grund für die Einführung des Match-Tiebreaks war vor allem, die Spielzeit der Punktspiele zu verkürzen. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass die Partien fast genauso lange gehen wie vorher. Wer den Tennissport liebt, dem ist es egal, ob er an einem Samstag um 20 Uhr oder 22 Uhr zu Hause ist. Er hat diesen Tag sowieso fest für Tennis eingeplant. Im Doppel ergibt der Match-Tiebreak etwas Sinn, weil es hier weniger um Ausdauer und mehr um Raffinesse geht. Im Einzel hingegen ist dadurch eine Spielform entstanden, die nicht mehr zu 100 Prozent mit Tennis zu tun hat. Zwar macht es die Einzel spannender, aber es bevorzugt den schwächeren Spieler. Gute Kondition, Steherqualitäten und der unbedingte Siegeswille im dritten Satz sind vor allem auf Sand nicht mehr gefragt.

Wettkampfhärte bleibt auf der Strecke

Der Match-Tiebreak verkommt schon fast zur Lotterie, wo unabhängig von der Spielstärke oft der Glücklichere und nicht der Bessere gewinnt. Man ertappt sich nach dem Gewinn des ersten Satzes gegen einen gleichstarken Gegner bei dem Gedanken, dass man den Match-Tiebreak bereits sicher hat und man vielleicht nur noch drei bis fünf gute Minuten braucht, um das Match zu gewinnen. Andersrum ist es aber genauso. Ein bis zwei schlechte Minuten im Match-Tiebreak können ausreichen, um ein sonst gut gespieltes Match zu verlieren. Würde man zu Beginn des dritten Satzes mit 0:2 zurückliegen, in dem man ein Spiel zu null und ein Spiel zu 15 verliert, ist noch längst nicht Hopfen und Malz verloren. Im Match-Tiebreak wäre die Lage bei solch einem Szenario, also bei einem Stand von 1:8, fast schon aussichtslos.

Ein weiterer Haken beim Match-Tiebreak ist, dass ein falsches Signal an die Zukunft des Tennissports, nämlich die Jugend, ausgesendet wird. Warum müssen die Jugendlichen, von denen einige Profiambitionen hegen, anders spielen, als sie es im Fernsehen vorgelebt bekommen? Die Wettkampfhärte bleibt hierbei auf der Strecke. Ein guter Jugendlicher kann mit der Situation überfordert sein, wenn er auf internationaler Ebene einen normalen dritten Satz spielen muss und er es nicht gewohnt ist, für eine längere Spielzeit zu trainieren. „Ich bin kein Freund des Match-Tiebreaks. Insbesondere ist er eingeführt worden, ohne die Betroffenen zu fragen.“ Das hatte Dirk Hordorff im Dezember 2013 in der tennisnet.com-Jahresumfrage der Verbandspräsidenten bezüglich des Match-Tiebreaks gesagt. Hordorff ist mittlerweile DTB-Vizepräsident und zuständig für den Leistungssport. Es wird Zeit, dass dem Wunsch der meisten Punktspieler entsprochen wird und der Match-Tiebreak wieder abgeschafft wird. Bis dahin geht der neidische Blick unter anderem zu unseren Nachbarn aus Österreich, wo der dritte Satz größtenteils noch ausgespielt wird.“

Quelle: http://tennisnet.com