Home » Allgemein » „Biber in Spachbrücken“ – Darmstädter Echo 18. April 2016

„Biber in Spachbrücken“ – Darmstädter Echo 18. April 2016

Bericht vom Darmstädter Echo vom 18. April 2016
Quelle: Darmstädter Echo

SPACHBRÜCKEN – Rund 40 Biber gibt es laut Unterer Naturschutzbehörde derzeit im Landkreis. Wo, das wird nicht verraten, um die Tiere zu schützen. An manchen Orten, wie in Spachbrücken, lässt sich ihre Ansiedlung aber kaum verheimlichen. Dort gibt es dann Probleme mit den Bauwerken der Nager.

Zwischen den Reinheimer Stadtteilen Spachbrücken und Dilshofen gibt es, eingebettet in üppige Natur, ein Freizeitzentrum. Die Kuckuckshütte steht dort, links vom Dilsbach haben die Schützen ihre Anlage, rechts sind die Plätze des Tennisclubs Gersprenztal.

Dazwischen plätschert der Bach, laut, ziemlich laut, denn er passiert in diesem Bereich mindestens drei Biberstaudämme. Dilsbach-Katarakte (Stromschnellen) sozusagen.

Die Freude der Naturschützer über die Ausbreitung des Nagetiers bis in so kleine Nebengewässer der Gersprenz teilt Peter Schmitt, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, nicht. Dabei wirbt der Verein auf seiner Homepage mit der „wunderschönen Anlage … mitten in der Natur, umgeben von Wiesen und Feldern“. Die Biber-Natur unmittelbar vor der Haustür ist aber nicht im Sinne des Vereinsvertreters. Die Tennisplätze liegen recht tief, sind zwar nicht überflutet, doch mindestens das Niveau der obersten Staustufe erreicht fast das des roten Sands.

Tag der offenen Tür am 24. April

Die Plätze sind derzeit alle noch nass, „es hat ja schließlich in den vergangenen Tagen reichlich geregnet“, sagt auf Nachfrage Platzwart Klaus Emich, der das Gelände auf die bald beginnende Saison vorbereitet. Für Sonntag, 24. April, steht ab 11 Uhr ein „Tag der offenen Tür“ auf dem Programm, unter dem Motto: „Deutschland spielt Tennis“. Und am Tag darauf soll das Mannschaftstraining beginnen. „Mal sehen, ob die Plätze alle abtrocknen“, fügt der Platzwart mit gewissem Zweifel in der Stimme hinzu. „Auf jeden Fall ist da, wo unsere Schieber für das Wasser sind, Land unter.“

Interessenskonflikte zwischen Naturschutz und menschlichen Nutzern der Landschaft gibt es immer wieder, aber es ist der erste Konflikt, in dem die erst vor einigen Jahren in die Gersprenz und manche Nebenflüsse zurückgekehrten Biber eine Rolle spielen. Es sei bisher auch der einzige derartige Konflikt im Landkreis Darmstadt-Dieburg, versichert die stellvertretende Kreis-Pressesprecherin Annika Schmid nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis.

„Die Probleme am Tennisclub sind der Naturschutzbehörde bekannt“, fährt Schmid fort. „Um Gefahr durch umstürzende Bäume zu vermeiden, wurden zwei Bäume durch die Stadt Reinheim gefällt.“ Der Biber habe zwar den Dilsbach aufgestaut, allerdings habe sich die Behörde die Lage vor Ort zweimal angesehen und sei zu dem Schluss gekommen, dass derzeit der Tennisclub durch die Aufstauungen nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. „Es ist noch ausreichend Abstand vorhanden, um die Plätze entwässern zu können“, habe die Behörde befunden.

Für den Landkreis Darmstadt-Dieburg wird aktuell ein Bestand von 40 Bibern vermutet. Die Reviere sind der Unteren Naturschutzbehörde bekannt, um biberschädlichen Ökotourismus zu vermeiden, will die Behörde sie nicht preisgeben.

„Zu Problemen mit dem Biber kommt es immer dann, wenn angenagte Bäume in unmittelbarer Nähe der Menschen einsturzgefährdet sind oder wenn durch seine Dämme vom Menschen genutztes Gebiet überschwemmt werden könnte“, stellt die Untere Naturschutzbehörde fest und listet verschiedene Maßnahmen zur Konfliktminimierung auf: Bäume können gegen die Nager durch sogenannte „Drahthosen“ geschützt werden.

Angenagte Bäume bleiben stehen

Auch das Ablenken des Bibers durch eine gezielte Anpflanzung von Weichhölzern als Nahrung kann sinnvoll sein. Angenagte Bäume können oft stehenbleiben und dürfen ohne eine Genehmigung der Naturschutzbehörde nicht gefällt werden. Einsturzgefährdete Bäume, die gefällt werden müssen, sollten vor Ort liegen bleiben, damit der Biber genug Nahrung hat und nicht zusätzlich weitere Bäume annagt. Eine weitere Lösung ist die extensive Nutzung von Gewässerrandstreifen, sodass bei Überflutungen nicht sofort intensiv genutzte Äcker betroffen sind.